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Oekumenische BibelwocheAls Kind geliebt -Nachdenken über Galaterbrief 3,19-4,7, gehalten am 15. April 2015 in der Friedenskirche, Chemnitz

Galater 3

19 Was soll dann das Gesetz? Es ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers. 20 Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen, Gott aber ist Einer. 21 Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben wäre, das lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz. 22 Aber die Schrift hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben.

23 Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und verschlossen auf den Glauben hin, der dann offenbart werden sollte. 24 So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.

25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. 26 Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. 27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. 28 Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. 29 Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Kinder und nach der Verheißung Erben.

Galater 4

1 Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; 2 sondern er untersteht Vormündern und Pflegern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. 3 So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der Mächte der Welt.

4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott Seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5 damit Er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. 6 Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist Seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! 7 So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Das Thema der diesjährigen ökumenischen Bibelwoche heißt „Zur Freiheit berufen“ und bezieht sich auf den Galaterbrief des Hl. Apostels Paulus.

Der Galaterbrief wurde von dem Hl. Apostel Paulus als Folge der Streitigkeiten in der Kirche in Galatien nach seinem Weggang geschrieben. Sein Evangelium, das ist die gute Nachricht, wurde nicht mehr auf dieselbe Weise gelehrt und verstanden, wie er selbst sie gepredigt hatte. Die Gläubigen haben versucht, sein Evangelium zu ändern und, anscheinend aus Frömmigkeit, jüdische Rituale wieder zu halten und respektieren. Einige in Galatien haben deswegen auch versucht, den großen Apostel zu diskreditieren. Sie haben gesagt, daß Paulus kein richtiger Jünger Christi sei, seine Verkündigung demzufolge keine so große Bedeutung oder Gewicht habe, wie sie dem Evangelium und den anderen direkten Jüngern des Erlösers zukommt.

In seiner Verteidigungsschrift beginnt Paulus zunächst, seine Wichtigkeit als Apostel zu rechtfertigen. Ihn treiben dabei nicht Stolz oder Eitelkeit, sondern er tut das, um zu zeigen, daß sein Zeugnis über Christus unseren Erlöser mindestens das gleiche Gewicht hat wie das Zeugnis der anderen Apostel. Auch unser Herr Jesus Christus warb für sich selbst und sagte den Juden: „Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wißt nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe.“ (Joh 8) Deswegen erinnert der Apostel Paulus an sein ehemaliges Verhalten im Judentum und er macht das wie eine Beichte und bereut das, aber er möchte auch nachweisen, daß er sich bewußt ist, woher er selbst kommt und durch welche tiefgreifenden Erfahrungen er geprägt worden ist. Wenn der Hl. Apostel in seiner Verkündigung das Gesetz weggelassen hat, war es nicht aus Verachtung, sondern weil er dessen vorübergehenden Wert erkannt hat.

Nach seiner persönlichen Verteidigung verdeutlicht Paulus den Unterschied zwischen Abrahams Glauben und dem Gesetz Moses. Er beweist die Überlegenheit des Glaubens über das Gesetz. Er weist insbesondere auf die Tatsache hin, daß das hebräische Volk selbst durch das Erbe nach Abrahams Glauben benannt wurde –  und nicht nach Mose, der erst Jahrhunderte später das Gesetz empfangen hat.

Aber über alles diese wurde umfangreich in den vorigen Tagen gesprochen.

Der erste Vers des heutigen Textes fragt: „Was soll dann das Gesetz?“ und sagt weiter, „es (das Gesetz) ist hinzugekommen um der Sünden willen, bis der Nachkomme da sei, dem die Ver­heißung gilt, und zwar ist es von Engeln verordnet durch die Hand eines Mittlers.“ Wir sehen also, daß es eine Zeit gab, zu der es noch kein Gesetz gab, da kein Gesetz nötig war. Es war eine Zeit, als keine Hl. Schrift geschrieben wurde, als kein Wort des Erlösers geschrieben wurde. Wie es im Paradies nur ein einziges Gebot gab, das das ganze Gesetz enthielt, so waren bis zu Moses Gesetz keine Gesetze nötig, obgleich die Sünde empfindlich bestraft wurde. Scheinbar widersprüchlich war es, wurden doch die nicht verbotenen Sünden streng mit dem Tode bestraft. Für diese Bestrafung gibt es im ganzen Alten Testament Beispiele: vom Neid und Mord Kains über die Verkommenheit Sodoms bis zum Massaker der Ägypter an den neugeborenen hebräischen Knaben (2.Mo 1,22). Das zeigt uns, daß die Sünde eine Störung der natürlichen gottgegebenen Lebensordnung ist, ein seelischer Tod des Menschen in der Trennung von Gott. Und in dem Maße, wie der Mensch und mit ihm die ganze Welt durch die Sünde die Verbindung zu Gott allmählich abbricht, treibt der Mensch umher ohne Hoffnung auf Rückkehr. In diesem Dickicht der Leiden, die auch eine Ver­blendung des Geistes bringen, kann der Mensch den Weg zurück nicht mehr alleine finden.

Nachdem Adam und Eva im Paradies der verbotenen Frucht gekostet hatten, versuchten sie, sich hinter den Bäumen des Paradieses zu verstecken. Sie haben sogleich vergessen oder nicht mehr verstanden, daß Gott alles weiß und sieht. Dies geschieht gerade, weil die Sünde, während sie zunächst eine gewisse Erkenntnis des Bösen bringt, gleichzeitig eine Verblendung des Geistes bewirkt: der Mensch kann nicht mehr logisch denken, alles scheint so unklar. Was einmal selbstverständlich schien, ist jetzt immer in Frage gestellt oder sogar verworfen. Der angli­ka­nische Theologe und Schriftsteller C.S. Lewis hat es auf seine Weise ausgedrückt:

„Gute Menschen wissen um Gut und Böse, schlechte Menschen wissen von beidem nichts.“

So erging es auch den Kindern Israels, als sie nach Jahren der ägyptischen Gefangenschaft in die Wüste kamen. Indem sie dem Denkmuster der Ägypter folgten, beteten sie ein goldenes Kalb an, in dem Versuch, Gott ein Lobopfer darzubringen. Aus Frömmig­keit haben sie Gotteslästerung begangen. Nicht jede gute Absicht des Menschen erfaßt Gottes Willen. Deshalb sagt auch der Hl. Apostel Paulus, daß das Gesetz „hinzugekommen ist, um der Sünden willen“. Diejenigen, die Gottes Willen nicht mehr verstehen, erhalten jetzt durch das Gesetz die Möglichkeit, den Weg zurück zu Gott zu finden.

Gleichzeitig wurde das Gesetz nur gegeben, „bis der Nachkomme da sei, dem die Verheißung gilt“. Daher sagt Paulus später: „So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.“ So verstehen wir, daß das Gesetz von Anfang an eine Übergangsrolle hatte. Es war ein Zuchtmeister, ein Pädagoge zu Christus.

Wie das erste Gebot Gottes im Paradies, hatte auch das Gesetz des Moses nur vorläufigen Charakter. Dieses Gesetz hat die Rolle, den Menschen die Freiheit zu geben, damit für den Menschen eine Wahlmöglichkeit besteht.

Hören wir noch einmal das Gebot des Paradieses: „Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm ißt, mußt du des Todes sterben.“ (1Mo 2,16)

Dieses Gebot stellt eine Einschränkung des menschlichen Willens dar. Nur auf diese Weise war der Mensch in der Lage, seine Freiheit zu äußern und aktiv am Akt der Schöpfung teilzuhaben. Vor seiner Erschaffung wird der Mensch nicht von Gott gefragt, ob er erschaffen werden möchte oder nicht. Durch das bestehende Gebot kann jedermann seine Freiheit gebrauchen und seinen Willen äußern, indem er den Befehl Gottes hält oder nicht: Als „Ja“ zum Leben, oder „Nein“ zum Tode. Und sobald er „Ja“ zum Leben in der Ewigkeit sagt, wird das Gesetz überflüssig, (Röm13,10) denn nur die Liebe bleibt, die das Gesetz abschafft. (Röm10,4)

Der Apostel schreibt weiter, daß „die Schrift alles einge­schlos­sen hat unter die Sünde.“ (Gal 3,22) Durch das Gesetz des Moses erhielt der Mensch das Sündenbewußtsein. Die ganze Schrift verurteilt die Sünde zum Tode. Wann immer in der Berichten der Schrift eine neue Sünde beschrieben wird, wird sie mit dem Tode belegt, sei es Mord, Lüge, Unzucht, Gotteslästerung oder was auch immer. Das geschieht einerseits, daß der Mensch das Bewußtsein habe, ein Sünder zu sein, andererseits aber, um die Verbindung zwischen Sünde und Tod offenzulegen. Sündenbewußtsein bedeutet ja nicht, daß die Menschen ein neurotisches krankhaft-bestimmendes Schuldgefühl aufbauen sollen. Das Sünden­bewußtsein ist wie das Warnschild am Wegrand, das verhindern soll, in den Abgrund zu stürzen.

Gleichzeitig war es jedoch dem Gesetz unmöglich, Leben hervorzubringen. Es konnte nur die Sünde verurteilen, aber es konnte nicht von den Nachwirkungen der Sünde befreien. Darüber hinaus blieb der Mann nur ein Sklave Gottes. Nur durch das Kommen unseres Heilandes Jesus Christus ist der Mensch auf die der Ebene eines „Freundes“ Gottes gehoben, wie Jesus beim Abendmahl gesagt hat oder wie Paulus weiter schreibt, ist der Mensch sogar ein „Sohn Gottes“ geworden: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“(Vers 26). Und der Apostel fährt fort: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“.

Was bedeutet aber das alles? Was bedeutet, ein Kind Gottes zu sein? Und was bedeutet es nun, Christus anzuziehen?

Um dies zu verstehen, hilft uns ein anderes Wort des Apostels Paulus, diesmal an die Römer, wo er sagt: „Gott wird einem jeglichen nach seinen Werken vergelten: [und] ewiges Leben denen [geben], die durch Ausdauer in guten Taten nach Ruhm und Ehre und Unvergänglichkeit trachten.“ (Röm 2,6-7).

Das sieht zunächst nicht nach Demut aus, aber der Christ gibt sich mit der Stellung eines Sklaven Gottes nicht zufrieden, sondern sucht „Ruhm und Ehre und Unvergänglichkeit“, was doch Eigenschaften Gottes sind. Auch der Sohn eines Herrschers wird erst dann ein Herrscher und seinem Vater gleich, wenn er die Volljährigkeit erreicht hat. Dann erst erhält er Ruhm und Ehre.

In diesem Gedankengang werden die Christen durch Jesus Christus zu Kindern Gottes und empfangen Seine hohe Ehre, so wie es Jesus unser Herr sagte: „Die Herrlichkeit, die Du Mir gegeben hast, Vater, gab Ich ihnen, daß sie eins seien, wie Wir eins sind“ (Joh 17, 22). Diese Herrlichkeit Gottes sind die Merkmale der Gottheit, welche der Mensch durch Jesus Christus erhält. Christus anzuziehen, bedeutet also, die Eigenschaften der Herrlichkeit Christi bzw. Gottes zu bekommen. Wie der Sohn des himmlischen Vaters der Sohn des Menschen wurde und die Eigenschaften der Menschheit erhält, gleich so werden die Söhne Adams auch Kinder Gottes durch den Glauben an Jesus und empfangen die Eigenschaften der Gottheit.

Der Hl. Kirchenvater Athanasios der Große lehrte: „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch vergöttlicht werde.“

Das ist der Grund, warum Jesus am Tisch mit seinen Jüngern ißt, wie mit Seinesgleichen, denn in Ihm verschwinden alle Unter­schiede von Status, Rasse oder Geschlecht: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“ (Gal 3,28).

Aber Jesus ist wahrer Gott, was die Juden ahnten und wofür sie Ihn auch verurteilten und kreuzigten. Sich als Sohn Gottes zu bezeich­nen, war für die Menschen des Gesetzes eine Gotteslästerung. Sie konnten einen liebenden Gott nicht akzeptieren oder besser gesagt nicht verstehen. Mose, der das Gesetz gelehrt hatte, belegte alle Straftaten mit dem Tode. Deswegen konnten die Juden sich nicht vorstellen, daß hinter diesem Gesetz ein liebender Gott stehen könnte. Und wie oft kommt es bis heute vor, daß die Menschen Gott auf ein hohes Podest stellen und durch ein umgekehrtes Fernglas zu Ihm schauen und dabei vergessen, daß Gott im Herzen des Menschen wohnt, daß Er den Menschen liebt und Ihn in das verwandelt, was Er –Gott Selbst– ist. Das Menschsein wird nicht aufgelöst, aber der Mensch wird durch die Gnade die Eigen­schaften Gottes bekommen.

Im heutigen Text macht der Hl. Paulus einen Vergleich mit Kindern. Oft werden Kinder als einfache und unschuldige Wesen betrachtet und die Kindheit wird als das ideale Alter angesehen. Wir sehen aber, daß der Apostel in dieser Hinsicht sehr kritisch ist und die Kinder mit den Sklaven ihres Vaters vergleicht. So sagt er hier, daß erst ein erwachsenes Kind das Erbe durch seine Reife bekommt und seine vollen Rechte erhält:

„Als wir unmündig waren, waren wir in der Knechtschaft der Mächte der Welt.“ (Gal 4,3)

Daher ist die Kindheit in diesem Zusammenhang ein unerfülltes Alter, unreif und unfähig, Gott zu verstehen und deswegen unfä­hig, in eine reife Beziehung zu ihm zu gelangen. Nur durch eine intellektuelle, emotionale und ethische Reife kann man frei in die Gemeinschaft mit Gott eintreten. Bis dahin verbleibt der Mensch in Unwissenheit und geistiger Unreife.

Aber durch den Glauben an Christus werden wir befreit und wachsen geistig, um Söhne Gottes zu werden,

„weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!“ (Gal 4,6)

Dieses doppelte zu Gott „Vater“ Sagen, weil Abba auch Vater bedeutet, ist möglich, weil jeder von uns in sich eine doppelte Abstammung trägt: Wir sind sowohl Menschenkinder als auch Gotteskinder. Daher:

„So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.“ (Gal 4,7)

Dadurch wird noch einmal die große Wertschätzung der Christen im Reich Gottes betont. Unser Herr Jesus Christus sagt seinen Jüngern:

„Ich will kommen und euch zu Mir nehmen, damit ihr seid, wo Ich bin.“ (Joh.14,3)

Und Er bezieht das nicht auf einen Ort, sondern auf die enge Beziehung, die hohe Stellung und die Eigenschaften der Gottheit, die sie haben werden.

Verehrte Zuhörer, liebe Geschwister,

Jesus unser Herr war kein Sozialreformer oder Revolutionär. Er hat nicht die Sklaverei abgeschafft oder die Armut aus­ge­rottet, noch hat er Hunger, Krieg und Leid insgesamt beseitigt. Zwar sagte Er:

„Seid getrost, Ich habe die Welt überwunden!“ (Joh 16,33)

jedoch am nächsten Tage ist er in der größten Qual gestorben. Er wurde verurteilt von Pilatus, als dem Vertreter der weltlichen Philosophie und vom Religionsgesetz, vertreten durch die Pharisäer. Wie hat Er dann die Welt überwunden und was für eine Freiheit hat Er uns gegeben, wenn seitdem alles in der Welt geblieben wie vorher?

Oder besser gesagt, sollten wir uns fragen: Was ist eigentlich die Freiheit? Jeder spricht in ihrem Namen, Sünden und Kriege werden im Namen der Freiheit legalisiert.

Albert Camus würde sagen: „Freiheit das Recht ist, nicht lügen zu dürfen.“

Unsere heutige materialistisch-nihilistische Gesellschaft konzen­triert sich auf das Hier und Jetzt, vergißt aber Gott und Ewigkeit. Sie würde sagen: Freiheit ist, zu tun, was man gerade will.

Andere würden argumentieren, daß es keine wirkliche Freiheit gebe. Ein Freudianer würde sagen, daß unser Unbewußtes uns kontrolliert und wir von der Last des Unbewußten nie frei sein werden. Wieder andere würden einwenden, daß wir Sklaven der genetischen Vererbung oder sozialer System sind, wie Michel Foucault sagen würde.

Andere beschuldigen das Christentum, den Menschen die Freiheit beraubt zu haben, weil der Begriff der Sünde die Handlungs­frei­heit des Menschen beschränkt.

Um dieses Dilemma zu lösen, helfen uns die Worte des Hl. Apostels Petrus, der uns ermutigt: „als die Freien und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes.“ (1 Petr 2,16).

Im Grunde gibt es kein Gut oder Böse, sondern nur das Gute oder den Mangel an Gutem. Das Gute hat sein Wesen in Gott und alles, was nicht von Gott gedacht oder gewollt ist, ist böse. Das Böse hat kein eigenes Wesen. aber in der Verweigerung oder Beseitigung des Guten existiert es doch. Selbstverständlich kann sich der Mensch in seiner von Gott empfangenen Freiheit das Böse erwäh­len, aber nicht als gültige Option für das Leben, sondern als Ableh­nung und Widerstand gegen das Leben. Nur das gute Bemühen führt den Menschen wirklich zur Freiheit, weil das Böse in der von Gott gut geschaffen Schöpfung unnatürlich ist. Durch die Wahl der Sünde ist der Mensch dem Einfluß der Instinkte und der psychischen, biologischen oder sozialen Gesetze preis­ge­geben. Seine scheinbare Freiheit besteht dann in einer desto strengeren Knechtschaft der Sünde und führt zur Schwächung des guten Willens. Nur indem er Gutes tut, wird sich der Mensch aus der Begrenzung dieser Weltlichkeit befreien, wird er die Freiheit Gottes kosten. Nur in der erlösenden Vereinigung mit dem leben­digen Gott kann der Mensch Gottes absolute Freiheit erreichen.

Die sei gesagt zur Ehre der Hl. Dreifaltigkeit, des +Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

© Priestermönch Athanasios Ulea

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