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samarineanca

© Gabriela Mihaita David

– von der Samaritanerin am Brunnen –

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

Das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des 4. Sonntags nach Ostern, der so genannte Sonntag der Samaritanerin, und es ist voll von spirituellen Bedeutungen.

Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Samaria ursprünglich eine hebräische Provinz war. Durch die Besetzung durch die Assyrer und unter dem Einfluß heidnischer Völker haben die Samariter den mosaischen Glauben nicht mehr gehalten, sondern zusätzlich zu dem Glauben an den wahren Gott haben sie auch andere verschiedene heidnische Gottheiten angebetet. Deshalb waren sie von den Juden verachtet worden. Diese haben es den Samaritern nicht erlaubt, sich nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft am Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem zu beteiligen. Aus diesem Grunde haben sich die Samariter ihren eigenen Tempel gebaut, in dem sie anbeten konnten. Die Verachtung der Samariter war so groß, dass die Juden große Umwege in Kauf nahmen, um nicht etwa einen Samariter zu treffen und sich nicht zu „verunreinigen“.

Wir sehen, dass Jesus diesen Ort nicht meidet. Dadurch wird auf die Öffnung der Kirche gegenüber der sündigen Welt hingewiesen. Und in diese Gegend, die von Juden gemieden wurde, kam Jesus „in eine Stadt Samarias, die heißt Sichar, nahe bei dem Felde, das Jakob seinem Sohne Joseph gab. Es war aber daselbst Jakobs Brunnen.“ Wir sehen also, dass jeder Mensch, ganz gleich, wie dunkel und verschmutzt seine Seele durch die Sünden ist, noch einen  von Gott auserwählten und von Anfang an bestimmten Ort hat, um Sein Eigentum zu werden. Jeder Mensch kann in seinem Inneren graben und die Brunnen der Verheißung Gottes entdecken, wie der Allsehende ein anderes Mal gesagt hat: „Das Reich Gottes ist in dir.“ (Lk 17,21)

Genau an diesem Ort setzte sich Jesus allein, „müde von der Reise“. Obwohl es in jeder Seele die Möglichkeit gäbe, eine Gemeinschaft mit Gott zu fühlen, wird diese Gemeinschaft nicht ohne Schwierigkeiten erreicht. Die Tatsache, dass Jesus „müde von der Reise“ war, bedeutet genau wie schwierig der Sünder oder aus verschiedenen anderen Religionen kommende Gott erkennen oder zu Ihm kommen kann.

Hier kam „eine Frau aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken!“. Als er nach Samaria kam, hat der Heiland zunächst das religiöse Vorurteil der Unterlegenheit der Samariter gegenüber den Juden missachtet, jetzt übertritt er zusätzlich das kulturelle Vorurteil der Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Manne. Jesus spricht nicht nur mit einer Frau, was an sich schon äußerst bemerkenswert ist, sondern er offenbart ihr zudem große geistliche Geheimnisse. Hierin erblicken wir die gleiche Wertschätzung für Frau und Mann vor Gott.

Als diese kulturellen und religiösen Barrieren überwunden sind, kommt der Heiland zum Kern der Sache und sagt der Samaritanerin: „Wenn du erkenntest die Gabe Gottes und Wer Der ist, Der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!‘, du bätest Ihn, und Er gäbe dir lebendiges Wasser.“ Auch wenn er das Wasser das Leben erhält, geschieht dies nur für einige Zeit, weil jeder Mensch irgendwann sterben muss. Aber der Heiland sagt hier, dass es tatsächlich ein anderes „lebendiges Wasser“ gibt und „wer davon trinkt, den wird ewiglich nicht dürsten; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt.“ Sicherlich bezeichnet der Retter hier die Gnade des Hl. Geistes, Der als Wasser vom Himmel herabkommt, und die Gläubigen lebendig für Ewigkeit macht.

Aber diese Frau kann sich immer noch nicht von den weltlichen Bedeutungen lösen und will dieses lebendige Wasser mehr aus Bequemlichkeit, „dass mich nicht dürste und ich nicht herkommen müsse, zu schöpfen!“ Wir sehen erneut, wie schwierig es für einen Sünder oder für jemanden mit einem falschen Glauben ist, die geistlichen Aufgaben zu verstehen.

Daher enthüllt der Retter ihr sündiges Leben weiter, aber nicht, um zu verurteilen, sondern um sie auf das Geistliche aufmerksam zu machen, besser gesagt damit sie ihre geistliche Armut und Kleinheit erkennt. Wenn sie sagt, dass sie keinen Man hat, zeigt ihre emotionale Unbeständigkeit, ihren wechselhaften Glauben, den Glauben an eitle, vorübergehende und vergängliche materielle Dinge, wie auch unsere heutige Gesellschaft sich nur auf ihr Hier und Jetzt konzentriert. Die Untreue dieser Samaritanerin in den Beziehungen mit Männern zeigt ihre Untreue vor Gott, daß sie nicht den wahren Glauben hat. Außerdem kann ein Sündiger nicht mehr zwischen wahrem oder falschem Glauben unterscheiden. Deswegen sagt diese Frau auch: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei die Stätte, da man anbeten solle.“ Die Sünden bringen nicht nur den Verlust der Gnade, sondern auch Abfall von wahrem Glauben. Der Hl. Symeon der Neue Theologe sagt in seinem Gebet vor dem Empfang der hl. Kommunion: „Ich bete um Befreiung aus meinen Fehlern, um an den Mysterien teilzunehmen. …  Bleibe bei mir Unseligem, wie Du versprachst, dass mich der Trugvolle nicht fern Deiner Gnade finde und mich listig fortführe von Deinem beseligenden Wort.“

Jetzt, da diese Frau ihren Mangel an guten Werken erkannt hat und zum wahren Glauben gekommen ist, kann der Allsehende ihr die Offenbarung machen: „Das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, dass die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit.“ Die Wörter „in Geist und Wahrheit anzubeten“ sind nicht einfach zu verstehen. Einerseits bedeutet es die Anbetung durch gute Taten im wahren Glauben. Andererseits bedeutet es, dass die Anbetung meist innerhalb des Menschen stattfindet. Dadurch wird der Mensch sich verändern.  Nicht zuletzt verstehen wir durch diese Worte, dass der Glaube bedeutet, im Heiligen Geist zu leben, denn „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Als sie Jesus Christus als Messias erkennt, wird die Samariterin zu einem Apostel für ihr Volk, denn es „haben viele von jener Stadt an Jesus geglaubt, um des Wortes Frau willen.“ Und der Heiland „blieb dort zwei Tage“. Nach der Erklärung der Väter bedeuten diese zwei Tage die wahre Predigt des Alten und Neuen Testaments oder das Doppelgebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Daher sind die Bewohner dieser Stadt zum Glauben in Geist und Wahrheit gekommen und sagten: „Wir glauben nun hinfort nicht um deiner Rede willen; wir haben selber gehört und erkannt, dass Dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland.“ Der wahre Glaube entsteht nicht durch logische Argumente, die außerhalb von uns bleiben, oder durch irrationale Gefühlsduselei, sondern durch persönliche und volle Glaubenserfahrung, die über rein rationales Denken oder wechselnde Gefühle hinausgeht.

Liebe Geschwister in Christus,

Müde und durstig fragt Christus eine Sünderin nach Wasser. Dann gibt Er ihr das lebendige Wasser. Im Gegensatz zu einer wunderbaren Heilung sehen wir, dass sich der Heiland hier nur auf die Heilung des Geistes konzentriert. Die Frau gibt Christus materielle Güter und erhält dafür die immateriellen und unvergänglichen. Streben auch wir danach, durch Almosen und gute Taten das lebendige Wasser zu bekommen; den Hl. Geist, der in das Herzen herabsteigt, die Leidenschaften abkühlt und  die Sünden auf ewig reinigt und überdeckt.

Möge Gott uns helfen, „im Geist und in der Wahrheit“ zu leben, den Glauben zu stärken und das rechte Tun zu vermehren. Nur auf diese Weise werden wir würdig, den Hl. Geist als „Quelle des lebendigen Wassers“ zu empfangen, zur Ehre der Hl. Dreifaltigkeit und zu unserem Heil. Amen.

© 2015 Priestermönch Athanasios Ulea

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One thought on “Predigt am 5. Sonntag nach Ostern

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