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© Gabriela Mihaita David

Vom reichen Mann und armen Lazarus (Lk 16, 19-31)

Liebe Geschwister in Christus,

Das heutige Evangelium erzählt uns das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus. Durch dieses Gleichnis bestätigt einerseits die Existenz von Himmel und Hölle, sowie andererseits, dass die Taten, die in dieser Welt getan werden, eine Konsequenz im anderen Leben haben werden. Nach dem Tode des Menschen wird sein Leben nicht auf die Erde zurückkehren, um ein anderes Leben zu leben, sondern er bekommt seine Belohnung für das, was er in diesem Leben getan hat, es sei gut oder schlecht gewesen.

Dieses Evangelium ist voller Kontraste: Es vergleicht das geruhsame Leben mit einem Leben voller Versuchungen, die vorübergehende mit der ewigen Glückseligkeit, das Gute mit dem Bösen und ihre Folgen, also Himmel und Hölle. Dieses Gleichnis zeigt uns die Folgen des Egoismus als eine ewige Qual und die Folgen des Vertrauens auf Gott, als Freude und Gelassenheit in der Gemeinschaft mit Gott.

Zu Anfang des Gleichnisses sehen wir, dass der Reiche, obwohl er in dieser Welt ein angesehener Mensch gewesen ist, keinen Namen hat. Dadurch verstehen wir, wie kurz ist die Herrlichkeit dieser Welt währt, aber auch, wie die Sünde den Menschen entmenschlicht, wie die Sünde die Persönlichkeit raubt. Das ist hier durch den Mangel des Namens symbolisiert. Dies liegt daran, daß die Sünde nicht ewig ist. Nur die guten Taten bleiben ewig und daher wird nur der Mensch, der gute Taten tut, in der Lage sein, seinen Namen zu behalten. Er wird  seine Identität für immer behalten, wie es mit Lazarus geschieht. Sein Zustand war so erbärmlich, dass er nicht nur sehr arm, sondern sein Körper auch voller Geschwüre war. Und dennoch hat sich dieser Mann Gott überlassen. Sein Name „Lazarus“ bedeutet „Herr, erbarme dich“. Er erwartete ohne Murren die Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes. Er wusste, dass diese früher oder später erscheinen würden.

„Es begab sich aber, dass der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben.“ Wieder sehen wir den Gegensatz der beiden Charaktere. Ohne die Geschwüre der Sünden auf sich zu haben, wird Lazarus unmittelbar nach seinem Tode von Engeln aufgenommen und in Abrahams Schoß geleitet. „Abrahams Schoß“ ist eine Metapher für den Himmel. Er steht für Gottes Reich, das ewige Fülle verheißt und die Gerechten ausruhen läßt. Anders als der unbarmherzige Reiche ist Abraham zwar sehr reich gewesen, jedoch ebenso menschenfreundlich. Er hat seinen Reichtum nicht dazu benutzt, ihn mit schicken Klamotten und Partys zu verschwenden, sondern um Gutes zu tun und Fremde zu beherbergen.

Deswegen kann der Reiche nicht ins Paradies eintreten, weil er die Gemeinschaft mit den anderen nicht erträgt und nicht versteht. Somit führt sein Weg in die Einsamkeit, in die Erde. Obwohl er wahrscheinlich mit großer Pracht auf seine letzte Reise geleitet worden ist, kommt er nur in die Erde. Für ihn folgt nicht der Himmel, sondern „das Reich des Todes und der Qual.“

Wahrscheinlich aus Neid auf Lazarus, der im weltlichen Leben arm und krank vor seiner Tür gekauert hat und jetzt die Güte des Himmels genießt, betet und fleht der Reiche zu Abraham und spricht: „Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme“. Selbst hier hält der Reiche Lazarus für seinen Diener. Deswegen spricht er ihn nicht an. Aber die Flamme, die jetzt brennt, kann niemand mehr löschen. Sie ist die Flamme der Leidenschaften jenes Mannes, der in dieser Welt nur für seinen Luxus gelebt hat. „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken“, sondern heilige Kommunion mit Gott. Deswegen leidet der Reiche. Alles was er auf dieser Welt geschätzt hat, hat im Himmel keine Bedeutung.

Die tiefe, befestigte Kluft bedeutet die Befestigung der menschlichen Gewohnheit, die den Wechsel von einem Zustand zum anderen nicht mehr erlaubt, vom Bösen nicht wieder zum Guten findet.

Mit seinem zweiten Gebet möchte der reiche Mann barmherzig erscheinen. Er möchte, daß mindestens seine Brüder erlöst werden. Doch von der egoistischen Haltung, die für ihn so kennzeichnend ist, kann er nicht lassen. Lazarus soll in das Haus seines Vaters gehen, um seinen fünf Brüdern etwas zu sagen und so zu verhindern, dass auch sie an diesen Ort der Qual kommen. Wäre der Reiche wirklich gnädig, hätte er es nicht nur der eigenen Familie sagen und sie warnen lassen, sondern allen Menschen. Aber Abraham antwortet: „Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie auch nicht glauben, wenn jemand von den Toten aufstünde“. Wir haben das Beispiel die Zeitgenossen Jesu, die, obwohl sie viele Auferstehungen gesehen haben, z.B. des Lazarus, des Sohnes der Witwe von Naïn und der Tochter des Jaïrus, dennoch nicht bereut haben. Selbst die Auferstehung Christi bleibt für viele eine bloße Erzählung von Ostern.

Liebe Geschwister in Christus,

Vater Dumitru Stăniloae lehrt, dass die Hölle nicht eine Schöpfung Gottes ist, sondern daß der Mensch sich die Hölle in einer freien und bewussten Weise selber baut. Das geschieht dann, wenn wir ein eitles Leben führen, wie es über den Tod hinaus nicht fortgeführt werden kann. Die Hölle ist der Ort und der Zustand des Menschen mit Sünden und besonders der Zustand des egoistischen Menschen.

Im Gegensatz dazu ist der Himmel der Zustand und der Ort des Menschen, der nur in der Gemeinschaft mit allen anderen Menschen und mit Gott sein will. Gott helfe uns, zu lernen, Gutes zu tun und das Gebet zu suchen. Nur so werden wir den Zustand des Lazarus erreichen können, das Vertrauen in die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes. Laßt uns dieses Leben in Barmherzigkeit und in Liebe zur Gemeinschaft mit allen Menschen in Gott führen, zur Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit und zur unseren Erlösung. Amen.

Priestermönch Athanasie Ulea

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