facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmail
© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

– über Lk 8, 26-39, die Heilung des besessenen Geraseners –

Liebe Geschwister in Christus,

vom heutigen Evangelium können wir lernen, wie der Teufel den Mann, der von Gott sich entfernt hat, wie ein Tyrann ver­sklavt. Wir sehen aber auch, wie der menschenliebende Gott die Menschen nicht verlässt, und wenn Er die Menschen von der Sünde befreit, zwingt Er sie nicht zu seinen Dienst, son­dern macht sie wirklich frei. Wenn der Mensch, der für die Ge­meinschaft geschaffen ist, ein sündiges Leben führt, wird er einsam und obwohl er lebendig ist, lebt er wie ein Gestor­bener. Nur die Freiheit von der Sünde und das neue Leben in Christus bringen den Menschen in seine Hei­mat zurück. Das bedeutet: zur wahren Gemeinschaft mit Gott, mit anderen Men­schen und zu sich selbst.

Wie viele andere Male, hören wir, dass Jesus in ein Boot stieg. Er benutzte das Boot als Kanzel, von der er das Wort predigte. Später werden Gottes­häu­ser in Form eines Schiffes gebaut werden. Nach­dem Jesus das Wort gepredigt hat, zeigt er die Wichtigkeit des Zuhörens, des Annehmens und des Tuns seines Wortes. Der Heilige Markus der Asket sagte, dass Unwissenheit, Vergeß­lichkeit und Unachtsamkeit der Sünde vorausgehen. Wenn also der Mensch aus der Gemeinde, aus dem Schiff austritt und nicht mehr weiß, was gut ist, vergißt oder ignoriert das Gute zu tun, wird er in das Gebiet der Gerasener kommen. Er wird den Zustand eines Nicht-Menschen erreichen, eines noch lebendigen Wesens, aber mehr tot als lebendig. Wenn der Mensch nicht mehr die guten Taten tut, wird er aus seinem Haus ausziehen und nackt wer­den. Das heißt: Er wird aus seiner Natur heraus­fal­len und der Gnade Gottes entkleidet werden. In dieser Situation wird alles verkehrt: Er lebt das Leben als Anomalie, er lebt wie eine Gestorbener unter Gestorbenen. Er hat nicht nur den Kontakt zur Normalität verloren, sondern sucht auch nicht mehr die natürliche Verbindung zu seiner „Heimat“, d.h. zu seinen Mitmenschen. Wohnen in den Grabhöhlen heißt der Tod, der durch die Sünde kam, der Tod als Entfremdung von Gott, von den Mit­menschen und von sich selbst.

Wir sehen also, dass, wenn wir eine Sünde begehen, gleich ob sie auch „klein“ wäre, wie manche sa­gen, begeht man in der Tat ein teuflisches Werk und der Teufel wird im Menschen Macht bekom­men und in ihm wohnen. Deshalb gibt es keine kleine oder große Sünde, denn durch die Sünde keh­ren wir un­ser Gesicht von Gottes Antlitz ab und stattdessen machen wir in unserer Seele mehr oder weniger unbe­wußt dem Teufel Platz. Deshalb hatte dieser Besessene eine Legion von Dämo­nen, weil sich in ihm durch Sünde Tausende von Dämonen versammelt hatten. Das ist aber nicht auf ein­mal geschehen. Man begeht Sünde aus Unwissenheit, Vergeßlichkeit oder aus Unachtsamkeit. Wer nicht sofort bereut, wird eine Sünde nicht nur wiederholen, sondern auch weitere begehen. Dies ge­schieht, weil jede Sünde eine abnormale Sache ist, die den Men­schen dazu bringt, abnormal zu le­ben. Zweitens ist die Sün­de wie ein Nebel, der nicht nur das Gewissen verschleiert, son­dern auch ver­hindert, Recht von Unrecht zu unterscheiden, Rich­tiges von Falschem. Und somit erobert das­jenige un­merk­lich den Menschen, was auf den ersten Blick klein und unbe­deu­tend schien. Der Mensch selbst läßt die vielen Dämonen ein.

Aber Jesus will nicht, dass dieser Mann sich verliert. Deshalb kommt er und rettet ihn. Auf der einen Seite merken wir, wie bestechend die Macht der Sünde für die menschliche Natur ist. Auf der anderen Seite sehen wir auch, dass Gott uns wieder be­dingungslos frei macht. Dadurch, dass die Dämonen nicht in die Tiefe fahren wollten, sondern in eine Herde Säue, ist einer­seits zu sehen, dass die Hölle beängstigend und unerwünscht ist, andererseits aber auch die Macht, oder vielmehr die Ohn­macht der Dämonen, die auch in einige Schweine nicht fahren dürfen, ohne Gottes Erlaubnis zu bekommen.

Wir sehen, daß diese Besessenheit bestimmt ist, um den Men­schen und vor allem die an­de­ren um ihn herum erkennen zu lassen, daß die Gnade Gottes es nicht zuläßt, daß der Teufel die Men­schen jederzeit nach Belieben berühren kann. Alle Men­schen sündigen, aber nicht alle Men­schen werden beses­sen. Daher ist Besessenheit nicht nur ein Zustand des sündigen Menschen, son­dern der Zustand eines Mannes, der immer wie­der der Gnade Gottes widersteht.

Die Schweine stürzten sich danach von dem Abhange in den See und ersoffen. Dadurch verstehen wir das katastrophale Ende der Sünden. Gleichzeitig verstehen wir auch die Weisheit Gottes, die nicht erlaubt, daß der sündige Mensch sofort nach dem Abfall in die Sünde sterbe, sondern Er gibt Zeit für Reue. Manchmal ist diese Zeit eine Zeit des Leidens. Das geschieht aber nur, um den Menschen zur Buße zu erwecken, dem Menschen zu helfen, zu Gott zurückzukehren.

Und wenn der Mensch wieder zur Besinnung kommt, will er nur mit Gott sein. Jedoch bedeutet das neue Leben in Gott, in die Welt zurückzukehren, um die wahre Gemeinschaft mit der Welt in Gott zu haben. Die meisten Menschen können, wie diese Geschichte des besessenen Geraseners zeigt, die Annäherung an Gott nicht ertragen. Deswegen muß es eine Verbindung geben: Die Menschen, die von den Sünden auferstanden sind, die Menschen, die Gottes Kraft und Gnade und Liebe erkannt haben (Das ist kein vollständiger Satz). Durch die Rückkehr aus der Sünde findet der Mensch seine wahre Freiheit, wird von den Fesseln der Sünden befreit und kann in die wahre Gemeinschaft mit anderen eintreten. Er bekommt die Frei­heit Gottes, nämlich die Herrschaft über sein eigenes Wesen.

Liebe Geschwister in Christus,

durch dieses Wunder verstehen wir, was die heutige Apostellesung gesagt hat: „Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir tot waren in den Sün­den, hat er uns samt Christo lebendig gemacht“.

Das bedeutet, dass unsere Auferstehung von der Sünde die Auferstehung Chris­ti ähnlich und nur durch möglich ist. Allein können wir den Sünden nicht widerstehen. Wenn die Teufel nicht einmal Macht über Schweine haben, so hätten wir auch keine Macht über uns selbst, wenn die Gnade Gottes uns nicht tragen würde.

Deshalb müssen wir uns immer bewusst sein, dass alles, was wir tun, vor allem alles was wir Gutes tun, nur möglich ist, weil wir „in Ihm leben, weben und sind“. Deshalb kommt auch die Erlösung von der Sünde und von den Grenzen der mensch­lichen Natur nur durch die Gnade Gottes: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“

Durch diese Worte unterstreicht der Apos­tel Paulus die Not­wendigkeit, sich Gott ganz hinzugeben. So werden wir zu dem, was wir sein sollen, wir bauen uns auf, „ in Christo Jesu zu guten Werken“. Diese gute Werke sind es, die wir tun sol­len. Es sind die Werke „zu welchen Gott uns zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“.

Wenn wir Gutes tun, kehren wir zurück zum Normalen der Dinge, das ist die Wiedererlangung der natürlichen Natur der Dinge. Wir tun, was uns wesensgemäß ist. Heiligkeit ist die Bestimmung der menschlichen Natur.

Gott helfe uns, zu verstehen, dass das Tun der guten Taten die wahre Natur unseres Wesens ist. Nur durch das Zuhören, durch das Aufnehmen und durch das Tun Seines Wortes werden wir die Vervoll­kommnung der wahren Menschlichkeit erreichen.

Dies sei gesagt zur Herrlichkeit der Heiligen Dreifaltigkeit und zur unseren Erlösung. Amen.

© Priestermönch Athanasie Ulea

facebooktwittergoogle_pluslinkedinrssyoutube