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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

Über die wahre Freiheit (Mt 8,28-34 und 9,1)

Liebe Geschwister in Christus,

Das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des 5. Sonntags nach Pfingsten und berichtet uns von der Heilung zweier Besessener aus der Gegend der Gadarener. Es geht um die Heilung von der Herrschaft des Teufels, um wirkliche Freiheit zu finden.

Das Evangelium zeigt uns zuerst die Begegnung des Erlösers mit den zwei Besessenen (V28): „Und Er kam ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener. Da liefen Ihm entgegen zwei Besessene; die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich, sodass niemand diese Straße gehen konnte.“ Zuerst heißt es, dass Jesus Christus „ans andre Ufer in die Gegend der Gadarener“ gekommen ist. Im Gegensatz zu Judäa waren die Menschen in dieser Gegend keine Gläubigen, sondern Heiden. Und die Tatsache, dass die zwei Besessenen die ersten sind, die hier den Heiland grüßen, zeigt uns, dass der Mensch, wenn er sich vom wahren Glauben distanziert, er sich in der Tat vom richtigen Verständnis der Welt und der ihn umgebenden Wirklichkeit entfernt und unter die Herrschaft des Teufels tritt. Natürlich ist es schrecklich einen wirklich dämonisierten Menschen zu sehen, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Gleichzeitig dürfen wir aber nicht vergessen, dass jedes Mal, wenn ein Mensch eine Sünde begeht, er damit dem Teufel frönt und der Teufel ihn ergreift. Die Auswirkungen dessen sind an der Lebensführung zu erkennen.

In dieser Hinsicht bedeutet „die kamen aus den Grabhöhlen“ den geistigen Tod der Besessenen. Der Mensch in der Kirche und in der Gemeinschaft mit Gott ist der Mensch in Kommunion und Kommunikation. Durch das Entfernen von Gott entfremdet sich der Mensch und zerstört seine Verbindungen zu Gott, zu den anderen Menschen und zu sich selbst. Über dies zeigt die Tatsache, dass diese lebendigen Besessenen in Gräbern gelebt haben, genau diese Einsamkeit und Entfremdung von Gott, von den anderen Menschen und von ihrem eigenen wahren Wesen, denn das Leben kann nur durch Gemeinschaft und Kommunion erhalten werden. Die Leidenschaft und die Sünde sind selbstsüchtig und anmaßend. Der selbstsüchtige und eingebildete Mensch will nicht vergeben und mit anderen Menschen leben.

Und natürlich hat diese Entfernung von Gott mehrere Stufen. Sobald der Mensch Gott verläßt, entstellt er sich zunehmend, wird einsamer und für die anderen immer unerträglicher. Ein solcher Mensch verflucht selbst seinen eigenen Weg durch seine egoistischen Taten.

Und sehr oft identifiziert sich der Mensch so sehr mit der Sünde, daß es ihm schwer wird, die Sünde nicht mehr zu tun. Wenn es doch normal ist Gutes zu tun , so läßt die Vertrautheit der Sünde jeden Versuch der Besserung zur Qual werden. Wie mit einer Hand in Gips, die mehrere Wochen untätig gelähmt war und sich danach nur unter großen Schmerzen wieder bewegen kann, geschieht das gleiche mit der Entwöhnung Gutes zu tun, die das Menschenherz gegen alle Vernunft verhärtet.

Deswegen beschweren sich die beiden Besessenen und schreien (V29): „Was willst Du von uns, Du Sohn Gottes? Bist Du hergekommen, uns zu quälen, ehe es Zeit ist?“ Diese vorzeitige Qual ist der Unwille, sich der scheinbaren Süße der Sünde zu entziehen. Sie ist die Qual eines schwachen Willens, wieder Gutes zu tun. Einerseits begegnen die Besessenen endlich ihrem Erlöser, andererseits erschrecken sie über Seine Anwesenheit. Wir sehen also, dass der Mensch von Natur aus zu Gott und zur Gemeinschaft der Menschen in der Kirche geneigt ist, aber aufgrund der Gewohnheit der Sünde erscheint ihm all dies auf ersten Blick schmerzhaft. Und der Mensch könnte so leicht zur Kirche und zu Gott zurückfinden, doch er sucht immer wieder Ausreden: entweder sind die Gottesdienste zu lang oder die Moral zu altmodisch oder die Dogmen zu streng. Gerade einige Sachen, die belastend oder zu streng erscheinen, bieten Anleitung zur Bewahrung des Lebens. Ein guter Gärtner erlaubt keinen Wildwuchs, sondern er beschneidet seine Pflanzen, entfernt das Unkraut und schlägt Rankstäbe ein, daß die Pflanzen gut wachsen und viel Frucht bringen, so ist es auch mit den Regeln und den Dogmen der Kirche, die nur wachstumsfördernde Rankstäbe zur notwendigen Korrektur sind. Sie helfen den Menschen, zu ihrem Ziel zu finden, nämlich nicht zu einem flüchtigen Glück, sondern das volle Glück in Ewigkeit zu genießen.

Und von Sünden und Leidenschaften erlöst zu werden, genügt es bereits, nur die Gegenwart des Erlösers zu „erleiden“, in dem Maße, wie wir es vermögen. Bisher haben die Besessenen selbst unseren Heiland angesprochen und über seine Anwesenheit geklagt. Dann haben die Dämonen von alleine den Heiland gebeten, in die Schweineherde gesendet zu werden (V31): „Willst du uns austreiben, so laß uns in die Herde Säue fahren.“

Das bedeutet, der Widerstand in der Kirche und in der Gegenwart Gottes im Gebet bringt Heilung für unsere sündigen Neigungen. Die Tatsache, dass die Teufel als nächstes in die Schweineherde fahren wollten, bedeutet ihre gleiche Verachtung gegenüber Menschen wie Schweinen. Von Anfang an hat der Teufel den Menschen getäuscht und versprach ihm Wissen und Freiheit, obwohl er den Menschen Leid und Tod gab. Und bis heute unterliegen die Menschen der Täuschung, sie hätten Wissen und Freiheit. Sie vergessen dabei jedoch, daß die wahre Erkenntnis der Welt nicht nur Materie ist, sondern auch geistig, und die wahre Freiheit des Menschen auch Freiheit von den bewußten und viel öfters unbewußten Instinkten des Menschen ist.

Aber Schweine schätzten ihre Freiheit höher als vorher die beiden Dämonisierten. Die Schweine wollten lieber sterben, als von Dämonen besessen zu sein. Daraus sehen wir, dass die Dämonen keine wirkliche Macht hatten und nicht einmal einige Schweinchen beherrschen konnten. Nur der Mensch folgt dem Teufel freiwillig und tut dessen Willen. Der Mensch erkennt in seiner Verblendung nicht, daß er tut, was jener will. Sogar die Schweine erkannten das Unnatürliche, d.h. von Dämonen besessen zu sein, aber der Mensch erkennt dies nicht und meint, dass er wirklich lebt, wie er es selbst will.

Es gibt die verbreitete Meinung, der christliche Glaube beraube den Menschen seiner Freiheit oder seines Rechtes auf freie Meinungs­äußerung. Und gerade deshalb wird der Ruf unseres Herrn Jesus Christus oft nicht gehört. Gerade deshalb werden Gott und die Kirche im Allgemeinen von der Gesellschaft scheel angesehen. Wie die Hüter der Schweine und die ganze Stadt unseren Herrn Jesus baten, aus dieser Gegend wegzugehen, so ist es auch heutzutage. In einem stets auf materiellen Gewinn oder Verlust ausgerichteten Denken und in der Erwartung, die bittere Freiheit der Sünde aufgeben zu müssen, versucht die Gesellschaft zusehends, die Kirche und den Glauben aus der Mitte der Gesellschaft an den Rand zu drängen.

Obwohl mit dieser Aufforderung der Gadarener das Kapitel in der Bibel endet, entschieden die Hl. Väter, heute auch den ersten Vers des folgenden Kapitels lesen zu lassen (9,1): „Da stieg Er in ein Boot und fuhr hinüber und kam in Seine Stadt.“ Wir sehen also, dass der Heiland aller Menschen niemanden zwingt, seine Lehre anzunehmen. Jeder Mensch hat zwischen Leben und Tod, Segen und Fluch zu wählen. Jesus Christus ist in das Boot gestiegen, d.h. in Seine Kirche, die uns über die bedrohlichen und furchteinflößenden Wellen dieses Lebens führt, um uns in „Seine Stadt“ zu bringen, d.h. in das Königreich der Himmel.

Liebe Christen,

In der vergangenen Woche haben wir hört, daß das starke Gebet leistungsfähige heilende Wirkung auf Körper und Seele hat. Heute sehen wir, dass das Leben in Sünde uns von anderen entfremdet. Die Sünde bringt uns dazu ,den Gott des Lebens aus unserem Leben zu verdrängen. Durch die Sünde verflucht sich der Mensch selbst zu Einsamkeit und qualvollem Tod.

St. Paulus sagte heute den Römern (Rö 10,9f): „Wenn du mit deinem Mund bekennst: «Jesus ist der Herr» und in deinem Herzen glaubst: «Gott hat ihn von den Toten auferweckt», so wirst du gerettet werden. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen.“ Der wahre Glaube an den Erlöser und sein Bekenntnis in unserem Leben durch Gebet, Fasten, Almosen und alle gute Taten bringen uns die Erlösung von der Sünde und dadurch werden wir vom Tod zum Leben gelangen.

Gott helfe uns, in das Boot Seiner Kirche einzusteigen, um in der Lage zu sein, sicher auf der stürmischen See dieses Lebens zu navigieren und  durch Gebet, Fasten und gute Werke in die Stadt Gottes, in das Himmelreich, einzutreten, zur Ehre Allerhöchsten Dreifaltigkeit und zum Heile aller. Amen.

© Priestermönch Athanasie Ulea

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