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© Gabriela Mihaita David

Liebe Brüder und Schwestern in Christus,

das heute gelesene Evangelium stellt uns den Beginn der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus vor, und obwohl kurz, ist es voll von Lehren für das Wachstum im geistlichen Leben. Von ihm erfahren wir vor allem, dass wir durch das Verlassen der Sünden und durch Buße uns selbst und die anderen erleuchten und uns dem Himmelreich nähern können.

Zunächst merken wir, dass unser Erlöser Jesus Christus nach Galiläa ging, nachdem er erfahren hatte, „dass Johannes überantwortet war“. In seinem Kommentar zu diesem Text des Matthäus-Evangeliums sagt der Hl. Johannes Chrysostomos, dass wir daraus lernen sollen, „die Versuchungen nicht zu suchen, sondern vor ihnen wegzulaufen und sie zu meiden“. Wir sollen die Versuchungen und Prüfungen nicht suchen, aber wenn sie kommen, müssen wir sie tapfer ertragen. Der Hl. Evangelist Matthäus beschreibt vor dem heute gelesenen Abschnitt die Geschichte der Versuchung Jesu Christi in der Wüste. Nicht aus Angst vor Herodes ist Jesus unser Herr, nachdem er den Teufel besiegt und seine Versuchungen abgewiesen hat, nach Galiläa geflohen, sondern um uns etwas zu lehren: Wenn der Teufel uns nicht länger durch Sünden und Leidenschaften beeinflussen kann, benutzt er Menschen, um uns zu versuchen und zu locken. Gleichzeitig darf uns bewusst werden, dass wir Anderen und Schwächeren keinen Anlass bieten sollen, sich zu Instrumenten Satans zu machen, um uns zu versuchen.

Obwohl das Böse sich immer bemüht, die Verkündigung der guten Nachricht zu verhindern, beruft unser Herrgott immer jemand anderen, weiterhin zu predigen und dies sogar mit größerer Macht. Wie Johannes der Täufer größer als alle anderen Propheten des Alten Testaments war, so ist der ihm nachfolgende Prophet größer als er: Jesus Christus, der menschgewordene Sohn Gottes, ist selbst der größte Prophet aller Zeiten.

Zweitens stellen wir fest: Der Erlöser wendet sich zu den Heiden, weil die Predigt des Heils von den Auserwählten, in diesem Falle von den Juden, nicht angenommen worden ist. Das Land von Galiläa ist hier als „das heidnische Galiläa“ zu verstehen, weil hier neben Juden auch viele Heiden lebten. Daher sagte auch der Prophet Jesaja: „Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen; und die da saßen am Ort und Schatten des Todes, denen ist ein Licht aufgegangen.“ Natürlich haben Licht und Dunkelheit hier symbolische Bedeutungen: ohne den wahren Gott kennengelernt zu haben, lebt der Mensch in Dunkelheit, weiß nicht woher er kommt und wohin er geht. Dunkelheit ist aber auch ein Symbol der Sünde, weil die Sünde das Verständnis von Gott, das Verständnis der Beziehung zu anderen Menschen und das Verständnis vom Leben verzerrt. In unseren liturgischen Texten wird von der Sünde oft poetisch gesprochen als von einem Nebel, in dem der sündige Mensch tappt, herumirrt und spirituell abstirbt. Aber mit dem Empfang der Erlösung wird der Mensch durch die Abkehr von Sünde und Unglauben erleuchtet. So wird er in das ewige Leben auferstehen.

Drittens merken wir: Der Erlöser beginnt seine Predigt in der gleichen Weise wie Johannes der Täufer: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ Die Predigt der Propheten des Alten Testaments ist die gleiche wie die Predigt Christi. Obwohl die Juden von Mose das Gesetz erhielten, predigten die alttestamentlichen Propheten, das Gesetz nicht als moralische Tat zu erfüllen, sondern als Umkehr und Rückkehr zu Gott. Das Gesetzt musste nur das Gefühl der Reue im Menschen aufwecken. Wie der Hl. Paulus sagt: „Denn die Sünde war wohl in der Welt bis auf das Gesetz; aber wo kein Gesetz ist, da achtet man der Sünde nicht.“ (Röm. 5,13). Durch das Gesetz sollte der Mensch wissen, dass er sündig ist, um deswegen zu bereuen und zu Gott zurückzukehren. Die eigenen Sünden zu erkennen, ist ein großes Geschenk von Gott, worum wir beten und wofür wir dankbar sein sollen, wie Vater Rafael Noica erklärt. Mit dem, was wir sehen, sollen wir uns nicht zufrieden geben. Sondern wir sollen uns freuen, dass wir angefangen haben, unseren wahren Zustand zu sehen, so dass wir Buße tun können.

Wie wir in den Taten Jesu Christi und der Apostel bemerken, sind die Sünder und die Ungläubigen für das Evangelium empfänglicher gewesen als die Juden oder die Auserwählten und Gerechten im Allgemeinen, weil die Erfüllung bestimmter Gesetze und gesellschaftlicher Konventionen eine Rechtfertigung und Selbstzufriedenheit gibt, eine falsche Zufriedenheit hervorruft, die keinen Raum zur Buße lässt. Wie bereits gesagt, ist Jesus in diese Welt nicht gekommen, um uns noch eine weitere Gesellschaftsordnung zu bringen oder um uns weitere Verhaltensregeln und Umgangsformen aufzuerlegen, seien sie auch für die Beziehung zu Gott bestimmt. Er zeigt uns vielmehr, auf andere Weise zu denken und zu leben, eine Lebensweise, um uns in das Reich der Himmel zu führen. Und diese Lebensweise beginnt mit Buße.

Liebe Geschwister in Christus,

Der Hl. Markus der Asket betont, dass „die ganze Vielfalt von Geboten an Einem hängt: dem Gebot der Buße“. Durch Buße erhalten wir einen Vorgeschmack auf das Himmelreich. Buße bedeutet eine Veränderung unserer Art zu sein und zu denken, um für Gott empfänglich zu werden. Wir haben in der heutigen Epistel über Jesus Christus unseren Herrn gehört: „Er ist aufgefahren in die Höhe und hat das Gefängnis gefangengeführt und hat den Menschen Gaben gegeben. Dass Er aber aufgefahren ist, was ist’s, denn dass er zuvor ist hinuntergefahren in die untersten Örter der Erde?“ Die „untersten Örter der Erde“ bedeuten hier einerseits die Tiefe der menschlichen Seele und andererseits die tiefe Bedeutung des Menschen für Gott. Es bedeutet Sehnsucht und Leere, wenn der Mensch ohne Gott ist. Durch Umkehr legt der Mensch Stück für Stück die Oberflächlichkeiten seines Lebens ab. Und wie in der Geschichte „Kaisers neue Kleider“, erhält der seiner Sicherheiten Entkleidete die unschuldigen Augen eines Kindes und findet sich entblößt, nackt und leer. Dann fährt der alles Erfüllende herab zu dem, der Buße tut, und erhebt ihn „über alle Himmel“.

Gott helfe uns, immer wieder umzukehren, „dass wir alle hinkommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi“. Nur so werden wir in diesem Leben in der Lage sein, das Königreich des Himmels wirklich zu spüren und zu erleben zur Ehre der Heiligsten Dreifaltigkeit und zu unserem Heil. Amen.

© Priestermönch Athanasie Ulea

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