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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

– über die Nachfolge Christi –

Das Hl. Evangelium nach Markus 8,34-38; 9,1

Er rief die Volksmenge und Seine Jünger zu Sich und sagte: Wer Mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um Meinetwillen und um des Evangeliums willen ver­liert, wird es retten. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückkaufen? Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation meiner und meiner Worte schämt, dessen wird Sich auch der Menschensohn schämen, wenn Er mit den heiligen Engeln in der Hoheit Seines Vaters kommt.

Und Er sagte zu ihnen: Amen, Ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in (seiner ganzen) Macht gekommen ist.

Liebe Geschwister in Christus,

das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des Sonntags nach Kreuzerhöhung und hat als Thema die Nachfolge Christi, die durch Selbstverleugnung, das Annehmen des Kreuzes und das Tun des Willens Christi erfüllt wird. Und deren Ende ist der Eintritt in das Reich Gottes noch in dieser Welt.

Der Herr sprach: „Wer Mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach.” Das erste Tun für Erlösung ist also die Selbstverleugnung. Selbstverleugnung bedeutet hier die Verleugnung von den egoistischen sündigen Taten, die uns das wahre Leben verhindern. Die Konzentration auf sich selbst, die Selbstsucht und vor allem die Selbstzufriedenheit sind die wichtigsten Ursachen des Bösen in der Welt. Sie verhindern uns, einander zu vergeben, verhindern die Nächstenliebe und damit die Gottesliebe.

Die Selbstverleugnung bedeutet nicht Selbsthass. Dies liegt daran, weil die wahre Selbstliebe der Maßstab der Nächstenliebe und der Gottesliebe ist. Den Nächsten wie sich selbst zu lieben, ist das Gebot des Erlösers und kann nicht ohne eine gesunde Selbstliebe erreicht werden. Daher ist ein gesundes Selbst einer, der auf sich selbst achtet, aber in Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen. Umgekehrt können wir nur durch die Verbindung mit anderen und mit Gott das wahre Maß der Selbstliebe erreichen.

Selbstverleugnung bedeutet deswegen Verleugnung der Selbstsucht, welche von Gott und von den Menschen trennt.

Ein zweites Tun der Erlösung ist, sein eigenes Kreuz aufzunehmen. Jeder soll sein Kreuz nehmen. Dies geschieht aus verschiedenen Gründen. Auf der einen Seite hat alles in der Welt einen Sinn und niemand wird mit Untragbarem belastet. Andererseits soll das Kreuz angenommen werden, so wie es ist. Jeder hat ein eigenes Kreuz zu tragen, aber dies bringt die Erlösung nur, wenn es freiwillig aufgenommen wird. Um die Hl. Väter zu zitieren: „Was nicht angenommen wird, wird nicht erlöst.“ Diese Worte wurden zum Erlösungswerk Jesu Christi gesagt, der die menschliche Natur in ihrer Gesamtheit angenommen hat, um sie zu verändern und zu vergöttlichen. Aber auch der Mensch muss sein ganzes Kreuz aufnehmen, um die Erlösung zu bekommen. Und dieses Kreuz ist in erster Linie seine menschliche Natur.

Von Natur aus ist der Mensch in der Form eines Kreuzes erschaffen. Seine vertikale Haltung ist aber erst vollständig, wenn die Arme ausgebreitet sind. Auf der einen Seite ist es natürlich für den Menschen, aufrecht und gerade zu sein, denn er versucht, von der Erde bis in den Himmel zu kommen. Durch seine Natur vereinigt er das Geschaffene mit dem Ungeschaffenen. Auf der anderen Seite kann dies nur in der Gemeinschaft mit Anderen erfüllt werden, wie es der Hl. Evangelist Johannes sagt: Niemand kann Gott lieben, es sei denn, er liebt den Nächsten.

So liegt das Heil des Menschen in den offenen Hände zum Nächsten. Sie sind die offenen Hände, die aus Liebe umarmen, die offenen Hände zu wohltätigen Zwecken, sie sind zur Barmherzigkeit geöffnet. Zur gleichen Zeit sind sie auch die zum Gebet ausgestreckten Hände, wie durch Mose angedeutet wurde, als er seine Hände zum Gebet in der Form des Kreuzes erhob. Und diese Gebetshaltung wurde und wird bis heute von den Heiligen der Kirche verwendet.

Gleichzeitig ist die kreuzförmige Körperhaltung verwundbar. Der Körper kann sich nicht verteidigen, wenn er die Arme weit geöffnet hat. Offen, um zu lieben, kann er auch leichter verletzt werden. Daher treten Leid und Schmerz in dieser Welt häufig auf. Aber das Kreuz ist keine Einbahnstraße. Wenn wir lieben, können wir leichter verletzt werden. Und es kann umgekehrt geschehen: Durch Leid und Schmerzen können wir zurück zur Liebe zu Gott und zum Nächsten finden.

Die kreuzförmige Körperhaltung ist auch in ihrer Blöße verwundbar. Hier meine ich die menschlichen Schwächen und menschlich-natürliche Grenzen, die entweder veranlagt oder durch das Tun der Sünde erworben sind. Auf der einen Seite leidet der Mensch, weil er begrenzt ist, weil er nicht alles hat, nicht alles weiß, nicht alles kann. Auf der anderen Seite sammelt der Mensch durch die Sünde mehr und mehr Schwäche und Ohnmacht an. Dies zeigt sich, sobald man das Kreuz aufnimmt. Die Aufnahme des Kreuzes ist auf der einen Seite die Annahme der existentiellen menschlichen Grenzen. Auf der anderen Seite ist es die Aufdeckung aller menschlichen Schwächen, die sich durch das Tun der Sünde vervielfacht haben. Und nur durch die Aufnahme des Kreuzes, nur durch die Annahme dieser Begrenzungen und dieses Fehlens und dieser Unvollkomenheit, die angeboren oder durch Sünde erworben sind, kann man Christus nachfolgen.

Und hier kommt der dritte Faktor, nämlich die Einhaltung der Gebote Jesu. Das Kreuz kann nur aufgenommen und getragen werden, indem man sich an die Lehren des Erlösers hält. Jesus sagte: „Wer Meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der Mich liebt.“ (Joh. 14,21). Wie St. Markus der Asket, sagt: „Gott ist in Seinen Geboten versteckt. Und je mehr jemand Seine Gebote erfüllt, desto besser wird man Ihn finden und verstehen.“

Natürlich können uns auch die Gebote Jesu als ein Kreuz erscheinen. Als Christ soll man dies oder jenes nicht tun, soll man gut und barmherzig usw. sein. Oft sollen wir, wie zum Beispiel durch Fasten und Almosengeben, etwas aufgeben, wie gewisse Freiheiten oder Sachen oder Zeit. Und oft produziert das Leiden Unzufriedenheit, manchmal ärgert man sich über einige Gebote, die veraltet oder überholt erscheinen. Aber die Rolle dieser evangelischen Gebote ist es, uns den Weg zu wahrer Freiheit und wirklichem Glück zu öffnen und die Grenzen unserer geschaffenen (ontologischen, d.h. unserem Dasein entsprechenden) und sündhaften (erworben) Natur zu erweitern. Nur die Sünde schränkt uns ein und bestrickt uns durch ihre scheinbare Süße. Aber ein Leben im Geiste Christi zu respektieren, bringt uns die wahre Freude zum ewigen Leben.

Deshalb sagt der Retter weiter: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ Die Seele verliert sich im allem, was gut und schön erscheint, aber sündhaft ist. Was der Seele durch Entsagung zu guten Werken entgeht, bringt tatsächlich die Freude und das Heil. So sagte Caesar Arles: „Diese Welt ist schön, aber noch schöner ist Er, Der sie gekleidet hat. Die Welt ist entzückend, entzückender aber ist Derjenige, Der sie gegründet hat.“ So kommt es, dass die ganze Welt mit allen ihren scheinbaren Gütern der Seele wahre Freude und Erfüllung nicht geben kann, weil nur Gott die Seele zu erfüllen vermag.

Die weiteren Worte des Heilandes drücken die Notwendigkeit des Glaubenszeugnisses aus: „Denn wer sich vor dieser treulosen und sündigen Generation Meiner und Meiner Worte schämt, dessen wird Sich auch der Menschensohn schämen, wenn Er mit den heiligen Engeln in der Hoheit Seines Vaters kommt.“ Einerseits hat sich das Wesen des christlichen Glaubens und des christlichen Lebens seit dem Kommen Christi in die Welt nicht verändert, weil es sich auf unveränderliche Dinge bezieht, nämlich auf die göttliche und menschliche Natur. Wie Gott gleich geblieben ist, so ist auch der Mensch gleichgeblieben. Und auch seine Grundbedürfnisse und ihre Erfüllung sind gleichgeblieben. Andererseits verändert sich die Welt, gemessen an ihren theoretischen und praktischen Kenntnissen, die sie zu einem Zeitpunkt hat. Daher sind auch ihre Anschauungen, Moral oder Politik veränderlich, aber deswegen auch vorübergehend. Deswegen soll der Christ sich von unbeständigen und weltlichen Lehren und Moral nicht beeinflussen lassen. Sondern er soll sich konzentrieren auf das, was gut und schön ist und sogar in Ewigkeit besteht. Das Reich Gottes wird in dieser Welt bereits gelebt und wir erhalten einen Vorgeschmack: „Amen, Ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in (seiner ganzen) Macht gekommen ist.“

Liebe rechtgläubige Christen,

Vater Sofian Boghiu sagte über das Kreuz: „Es ist das Zeichen der Liebe zwischen uns und das Zeichen der Liebe Gottes für uns.“ Auch wenn es für die Christen nicht mehr Folterinstrument bedeutet, hat die Aufnahme des Kreuzes oft einen faden Beigeschmack. Aber wie jede gute Sache nicht ohne Mühe und Schweiß vollbracht wird, verursacht auch das Kreuz einen geringfügigen Schmerz, der zu wahrer Freude und Seligkeit führt. Deshalb ist und bleibt es ein Zeichen der Freude, der Sieg über den Tod und über die sündigen Leidenschaften, die Fahne unserer Erlösung.

Gott helfe uns, unser Kreuz zu nehmen und zu tragen, um uns von den veranlagten oder durch Sünde erworbenen Fehlern unserer Natur zu erlösen und um die Vollkommenheit, die Vergöttlichung und die wahre Freiheit, so heiß von den Menschen begehrt, zu erwerben. Alles zum Ruhm der Hl. Dreifaltigkeit und zu unserem Heil. Amen.

© Priestermönch Athanasios Ulea

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