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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

Das hl. Evangelium nach Johannes 3,13-17

Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn. Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.

Liebe Geschwister in Christus,

das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des Sonntags vor Kreuzerhöhung und stellt uns einen Auszug aus dem Gespräch des Erlösers mit Nikodemus, ein gelehrter Pharisäer, vor. Das Hauptthema dieses kurzen Evangeliumsabschnittes ist die Liebe Gottes zum Menschen, die sich im Kreuz zeigt.

Die ersten Wörter des heutigen Evangeliums beginnen mit dem Geheimnis der Person Jesu Christi: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.“ Vielleicht hat Nikodemus nicht gleich diese Wörter verstanden. Sie blieben aber in seinem Gedächtnis und in den Erinnerungen der Jünger Christi und wurden wahrscheinlich viel später verstanden, nach Passion, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt Christi. Um diese Worte zu verstehen, müssen wir wissen, dass alle Leute, die vor dem Kommen des Erlösers starben, nicht den Himmel betreten, auch wenn sie vielleicht Gerechte waren, denn es heißt: „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen.“ Nur der Erlöser, der auch Sohn Gottes ist und durch seine Gottheit überall gegenwärtig, der ist im Himmel und er ist auch in der Lage, in den Himmel mit seinem vergötterten Körper hinaufzusteigen. Zugleich bedeuten diese Worte auch, dass kein Mensch in den Himmel hinaufsteigen kann, weder vor noch nach dem Kommen Christi. Und zwar deshalb, weil es nicht in der Macht des Menschen steht, sich zu retten, sondern nur der, der mit Christo eins wird, kann in den Himmel aufgenommen werden, wo Christus ist. Und dies geschieht mit dem Leben im Kreuz Christi, durch die Sakramente in der Kirche.

Die wichtigste Vorahnung des Kreuzes im Alten Testament ist die Erhöhung der eherne Schlange durch Mose: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat“.

Als das hebräische Volk nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste wanderte, trug es sich zu, daß die Juden nach vielen Wanderungen und Kriegen die Geduld verloren und anfingen, gegen Gott und seinen Gesalbten Moses zu lästern. Daher bissen Giftschlangen die Menschen zum Tode. Als die Menschen ihre Lästerung bereuten, machte Mose eine eherne Schlange und erhöhte sie an einer Stange. Nachdem jemand gebissen wurde, aber die eherne Schlange anblickte, starb er nicht mehr.

Dies ist ein wichtiges Ereignis in der Geschichte des hebräischen Volkes. Obwohl die Zehn Gebote Moses die Herstellung von Bildern verboten, um nicht das Volk zum Götzendienst zu verführen, hatte Mose eine eherne Schlange anfertigen lassen. Diese tote Schlange schenkte demjenigen Leben, die sie anblickte. Dies geschah, weil jene Schlange die lebensspendende Kraft des Kreuzes vorbildete.

Die Sünde ist eine Schlange, die den Menschen vergiftet und ihn schließlich tötet. Durch einen kleinen Stich, durch einen scheinbar unbedeutenden Tropfen tritt der Tod in den Menschen hinein, macht ihn wehrlos und und tötet ihn schließlich. Das ist die Sünde, klein und gering in den Augen vieler, sie verdirbt den Geist und bringt den geistigen Tod und schließlich auch den körperlichen Tod.

Dennoch ist das verarbeitete Schlangengift ein Heilmittel gegen viele andere Erkrankungen. Darum auch nahm der Erlöser durch seinen eigenen Tod den Mensch aus dem Tod heraus. Die eherne Schlange symbolisierte den Heiland. Er sah wie ein sterblicher Mensch aus, obwohl er ohne Sünde war. St. Ambrosius von Mailand erklärte zu diesen Versen: „Die eherne Schlange wurde erhöht, weil der Herr in seinem Körper die Gestalt eines Sünders auf sich nahm, in Wirklichkeit jedoch war er ohne Sünde. Auf diese Weise imitierte er eine Schlange durch die täuschende Erscheinung der menschlichen Schwäche, und wenn er die Haut seines Körpers beiseite legen wird (wie die Schlange ihre Haut), wird er die wahre listige Schlange vernichten.“

Gleichzeitig werden alle Gläubigen, die an ihn schauen, gerettet. Der Mensch fällt immer wieder in Sünde, immer wieder wird er vom Teufel gebissen. Aber wenn der Sünder zurückkehrt und immer wieder den gekreuzigten Jesus anschaut, wird er gerettet werden.

Der hl. Johannes Chrysostomus erklärt durch die Schlange das Geheimnis des Kreuzes: „Wie die eherne Schlange, die niemanden biß oder verletzte, gehängt wurde, um die beißenden Schlangen zu vertreten; so sind alle Menschen schuldig der Sünde, und Jesus, der völlig frei von Sünde ist, leidet für alle. Damals bissen die einen, aber eine andere wurde auf das Holz gehängt. Hier haben andere gesündigt und der Sündlose wurde gekreuzigt. Aus welchem Grunde wurde die Schlange an das Holz gehängt? Um die Bisse der anderen Schlangen zu heilen. Eine Schlange wurde an das Holz gehängt um jene Bisse der anderen zu heilen. Ebenso wurde Christus an das Kreuz geschlagen, um die Arbeit der Dämonen zu vernichten.“

Daher sagt unser Heiland weiter: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“. Daraus verstehen wir drei wichtige Aspekte der Erlösung:

Erstens: Die große Liebe Gottes für die Welt, denn Gott gib seinen einziggezeugten Sohn, auch wahrer Gott, für das Heil der Welt. Wer die Welt errettet hat, ist nicht ein Mensch, nicht ein Engel oder ein anderes Geschöpf, sondern der Sohn Gottes selbst.

Zweitens: Die Erlösung ist nur in Christus.

Drittens: Die Erlösung kommt durch das Kreuz. Durch den Tod und die Auferstehung Christi ist das Kreuz ein Aufstieg von der Erde zum Himmel, ein Mittel für den Aufbruch von einem sündhaften Leben zum wahren Leben.

Natürlich „hat Gott seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ Doch so wie die Schlange in der Wüste erhoben wurde, rettet Christus alle, die zu ihm kommen und seine Worte erfüllen. Diejenigen, die ihn nicht ansehen und seinen Willen nicht tun, werden sterben. Denn obwohl das erste Kommen Jesu in Demut war, wird das zweite Kommen Jesu in Herrlichkeit geschehen, um die Lebenden und die Toten zu richten, das bedeutet, sie zu trennen: die in Ihm das Leben gewählt haben von denjenigen, die den Tod gewählt haben.

Liebe Christen,

Das Fest der Kreuzerhöhung, morgen gefeiert, hat für uns eine besondere Bedeutung. Es erinnert uns an den Zweck unseres irdischen Daseins. Auf der einen Seite wollen wir gut sein und den Willen Gottes tun. Auf der anderen Seite wollen wir dieses Leben auch genießen. In den meisten Fällen jedoch stehen diese beiden Ziele in unserer Seele im Widerstreit und nur mühsam finden wir den Mittelweg. Aber das Kreuz verbindet die Extreme. Daher nur wenn wir den Willen Gottes erkennen und vollbringen, werden wir wirklich in der Lage sein, alles in dieser Welt genießen zu können. Nur durch sündlosen Jubel und Genuß der Güter dieser Welt können wir uns mit Gott vereinen.

Die Sünde hat erst einmal eine kurze Süße, wird aber schnell zu dauernder Bitterkeit. Umgekehrt, nach der kurzen Bitterkeit, die wir am Anfang spüren, wenn wir den Sünden widerstehen, erhalten wir die wahre Freude und Süße in dieser Welt – aber auch für die Ewigkeit.

Gott helfe uns, das Geheimnis des Kreuzes als Erlösung aus Sünde und Tod und als Aufstieg zum wahren Leben durch das Tun göttlichen Willens zu verstehen, zur Ehre der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und unserem Heile. Amen.

© 2015 Priestermönch Athanasios Ulea

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