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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

Mt. 8,5-13

– Über das Gebet im Glauben –

Liebe Geschwister in Christus,

das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des 4. Sonntags nach Pfingsten und zeigt uns den heilenden Glauben eines Zenturio. Am letzten Sonntag sahen wir, dass wir alles Nötige erhalten, indem wir uns auf Gottes Willen verlassen. Heute sehen wir, dass ein treues Gebet im starken Glauben körperliche und geistige Heilung bringt.

Das heutige Evangelium beginnt mit einem schroffen Gegensatz: Als der Erlöser in Seine Heimatstadt Kapernaum kam, begegnete ein Ihm ein Hauptmann, der ein militärischer Befehlshaber, ein Vertreter der Besatzungsmacht und vor allem ein Heide war. Ein in Bezug auf Nationalität und Religion Fremder begegnete Jesus Christus in Seiner Heimatstadt und fragte Ihn (V 6): „Herr, mein Knecht liegt zu Hause gelähmt und leidet große Qualen.“. Eben kam Jesus von jenem Berg herabgestiegen, wo er die Bergpredigt gehalten hatte, und obwohl dieser Hauptmann während der Bergpredigt abwesend war, wendete er doch unbewusst die Gebote des Evangeliums Jesu an. Zunächst erkannte und schätzte er Jesus als einen spirituellen Führer, auch wenn Dessen Glaube ihm fremd war. Zweitens erniedrigte er sich selbst und bewies Selbstlosigkeit und Liebe für die Geringen, wenn er bat für seinen Diener. Sein Motiv war nicht einfach der natürliche Respekt vor Älteren und Verwandten, sondern ein Respekt vor jedem Menschen, weil jeder Mensch an sich respektiert werden soll. Hierin erkennen wir, dass jeder Mensch Anerkennung und Respekt verdient. Sogar wenn dieser Mensch nicht mehr produktiv ist oder körperlichen, geistlichen oder seelischen Einschränkungen unterliegt, verdient er Respekt und Liebe. Immer öfter ist heute die Rede von therapeutischer Abtreibung oder von Euthanasie der unheilbar Kranken. Dabei wird vergessen, dass jeder Menschen, auch wenn er Probleme hat, Rücksicht und Würde verdient.

Deshalb hat auch dieser Hauptmann seinen Diener nicht vernachlässigt oder benachteiligt, obwohl dieser nicht mehr gesund war und in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. Deswegen hat auch der Heiland jenen Hauptmann nicht verachtet, obwohl jener ein feindlicher Römer war und noch dazu einen anderen Glauben hatte, sondern Er verspricht sofort (V 7): „Ich werde kommen, um ihn zu heilen.“

Wir sehen also, dass der Erretter bereits dessen Gebet gehört und die Erfüllung seiner Bitte versprochen hat. Jedoch lässt Er bis zur Umsetzung des Versprechens einige Zeit vergehen. Daraus lernen wir, dass die Mehrheit unserer Bitten zu unserem Retter gehört wird. Doch aus irgendwelchen Gründen, die allein Gott weiß, werden sie nicht sofort erfüllt. Dies geschieht durch die Vorsehung Gottes, Der sowohl die Krankheit wie auch die Heilung verordnet, zu unserer spirituellen Entwicklung, Entfaltung und Vervollkommnung. Eine körperliche Heilung ohne die entsprechende geistige Entwicklung bliebe bedeutungslos. Die Geschichte der Medizin zeigt uns, dass da alte und neue Krankheiten sind, die unheilbar bleiben, wenn auch einige altbekannte Krankheiten heutzutage geheilt werden können. Und immer wird es Krankheiten geben, die nicht zu einer körperlichen Heilung führen, dafür jedoch die spirituelle Heilung des Betroffenen voranbringen können. Und diese Zeit bis zur körperlichen Heilung ist oft verlängert oder verkürzt, um die spirituelle Vervollkommnung zu gewähren.

Das merken wir auch in Zusammenhang mit dem Hauptmann aus dem heutigen Evangelium. In dieser Zeit zwischen seinem Gebet und der Erfüllung seines Gebetes hatte der Hauptmann die Möglichkeit, seinen Glauben auszudrücken und auch zu entwickeln, denn er sagte (V 8f): „Herr, nicht bin ich würdig, dass Du unter mein Dach hineingehst; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht geheilt. Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: ‚Geh hin!‘, so geht er; und zu einem andern: ‚Komm her!‘, so kommt er; und zu meinem Knecht: ‚Tu das!‘, so tut er´s.“

Dieser Mann also, fremd in Nationalität und Glauben, zeigt nicht nur einen festen Glauben an den Herrn Jesus Christus, sondern auch einen reifen Glauben. Er hat in die heilende Kraft Jesu Christi nicht bezweifelt, sondern er glaubte wirklich, dass Jesus Herr über Alles ist und alles kann. Ein Magier oder ein Arzt braucht zumindest etwas Kontakt zu seinem Patienten, aber unser Erlöser, als Herr aller Herren, kann durch ein einziges Wort das Leben der fast Sterbenden wiederherstellen, wie der Hl. Apostel Lukas (7,2) in seinem Evangelium feststellt.

Nachdem Jesus dies gehört hatte, „wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!“ (V 10). In der Tat betrachten wir uns oft als die Gläubigen und sind stolz, dass wir den wahren Glauben haben. Wir vergessen aber, dass jeder Glaube, mag er auch gut sein, keine Bedeutung hat, wenn er nicht von guten Taten begleitet ist. Bei einem anscheinend Ungläubigen findet Jesus mehr Glauben als im auserwählten Volk, und nicht nur mehr Glauben, sondern auch gute Taten, da die Fürbitte und das Gebet für den Nächsten, die Zeit und das Interesse an seine Heilung auch gute Taten sind.

Und des Hauptmanns Glaube war so stark, dass dadurch Gott Selbst direkt und unmittelbar in der Welt gewirkt hat. So wurde die Einwirkzeit Gottes katalysiert, wurde durch diesen reifen Glauben verkürzt. Deshalb sagte der Heiland dem Hauptmann (V 13): „Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.“ Wir sehen also, dass ein reifer Glauben an den Erretter und ein starkes Gebet zu Ihm helfen, Heilung zu bringen, wo menschliche Kraft nutzlos bleibt. Daher ist das Gebet im Glauben eine gute Tat schlechthin, weil Gott dadurch unmittelbar eingreift. Wir können sagen, dass dadurch Er dazu gebracht wird, direkter und kräftiger zu helfen. Durch Gebet wird das Menschenunmögliche durch Gott möglich werden.

Liebe Gläubige,

der gelähmte Knecht des heutigen Evangeliums ist jeder Mensch, der aus verschiedenen Gründen nicht mehr beten kann: wenn seine körperlichen Kräfte geschwächt sind, wenn er psychisch krank ist, wenn er von Gott oder seiner Kirche entfernt ist, wenn er durch viele Sorgen gedämpft und gefesselt oder durch Unglaube und Atheismus gelähmt ist. Er ist der Mensch, der durch die körperliche oder geistige Entfernung von Gott, der Quelle des Lebens, gelähmt ist.

Der Hauptmann wiederum ist das Modell jedes Menschen, der rastlos zum Wohle jener gelähmten Menschen arbeitet: durch Almosen, durch eine gute Tat oder ein gutes Wort oder durch ernstes ausdauerndes Gebet für seinen Nächsten. Er ist das Bild der Kirche der Gläubigen, die für alle betet. Im privaten Gebet, aber besonders im Gebet in der Gemeinschaft der Kirche, durch die Sakramente der Krankensalbung und der Göttlichen Liturgie, beten die Gläubigen für alle Menschen: für diejenigen, die an Krankheit oder Einsamkeit leiden, für die Reisenden und Gefangenen, für die Guten und die Sünder. Jeder und alles sind im Gebet der Kirche umfasst. Und durch die Fürbittlisten nehmen auch die, die körperlich abwesend sind, aber im Geist aktiv sind, ungesehen am Gebet teil und werden auf unerklärliche Weise von der Gottes Gnade erfasst.

Auf der anderen Seite ist die Zeit bis unsere Bitten erfüllen werden durch das Maß unseres Glaubens beeinflusst, wie des Hauptmanns Knecht durch den großen Glauben der Beter schneller geheilt wurde. Wir merken auch, dass das Gebet und allgemein jede gute Tat allen Menschen helfen: Dem Fürbitter und gleichzeitig, diejenigen denen seinem Gebet gilt. Der Knecht erhielt körperliche Heilung, der Hauptmann erhielt die Schau und unmittelbare Anwesenheit Gottes.

Gott stärke unseren Glauben und unser Gebet, um in der Lage zu sein, Gott zu begegnen und dass unsere Nächsten und alle Menschen, denen wir in unseren Gedanken nahe sind, stärker und direkter die Vorsehung Gottes erhalten, zur Ehre Allerhöchsten Dreifaltigkeit und zum Heile aller. Amen.

© Priestermönch Athanasie Ulea

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