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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

Apostellesung aus dem Galaterbrief 1,11-19

Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein. Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch Seine Gnade berufen hat, mir in Seiner Güte Seinen Sohn offenbarte, damit ich Ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate; ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück. Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn.

Das Hl. Evangelium nach Lukas 7,11-16

Einige Zeit später ging Er in eine Stadt namens Naïn; Seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten Ihm. Als Er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie. Als der Herr die Frau sah, hatte Er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht! Dann ging Er zu der Bahre hin und fasste sie an. Die Träger blieben stehen und Er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf! Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück. Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten. Gott hat Sich Seines Volkes angenommen.

Liebe Geschwister in Christus,

das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des 20. Sonntags nach Pfingsten und hat als Thema das Wunder der Auferweckung des Jünglings von Naïn. Das ist ein bewegender aber auch ein lehrreicher Augenblick, weil wir sehen, wie Jesus das Leid beendet, den Menschen tröstet und sein Leben aus einem Trauerzug in einen Weg des Lebens wandelt.

Anscheinend aus Zufall ging der Erlöser in eine Stadt namens Naïn. Rings waren „Seine Jünger und eine große Menschenmenge“, die ihm folgten. Und der Erlöser predigte Worte des ewigen Lebens. Dieser Lebenszug, in dem der Mensch voll von Freude Gott und das wahre Leben kennenlernt, trifft den Trauerzug, auch eine große Menschenmenge, der eine Witwe und ihren verstorbenen einzigen Sohn zum Grab begleitet. Die Tragik war doppelt: eine Witwe begräbt ihr einziges Kind. Der Tod hat ihr Leben bereits mehrmals berührt.

Vielleicht ist es deshalb gewesen, dass es dem Erlöser sehr leidgetan hat. Wie wir oft in den Evangelien merken, ist jedes Wunder ein persönliches Geschehen zwischen der Erlöser und den beteiligten Personen. Nur die aktive und persönliche Beziehung zu Gott kann erlösend sein. Nicht alle Verstorbenen jener Zeit wurden von unserem Herrn Jesus auferweckt, nicht alle Kranken wurden geheilt, sondern nur diejenigen, die sich in ihrer Sehnsucht auf Erlösung vor Christus gestellt haben oder zu Ihm gebracht worden sind.

Im heutigen Falle vollbringt Jesus das Wunder, ohne darum gebeten worden zu sein, denn der Schmerz dieser Frau war zu groß. Vielleicht war sie so traurig, dass sie gar nicht mehr wahrgenommen hat, was um sie herum geschehen ist. Sie folgte nur dem Weg der Trauer, welchem zu folgen sie ja gewohnt war. Wie wir sehen, greift Gott unmittelbar ein, um Linderung zu bringen, damit der Mensch durch die Verzweiflung nicht vernichtet wird, wenn der Schmerz zu stark oder unerträglich wird.

So kommt Jesus ungerufen und berührt den Sarg. Wir merken im Evangelium, dass Er von unserem Leid bewegt ist. Betrauern wir entweder den Tod eines Geliebten oder bereuen unsere Sünden: Gott wird uns hören, zu uns kommen und uns berühren. Der Sarg bedeutet hier auch den durch Sünde gestorbenen aber durch die Teilnahme an den heiligen Mysterien wiederauferstanden Menschen. Nach Gesetz des Moses durfte Jesus den Sarg nicht berühren, weil dieser unrein war. Dadurch möchte Er aber sagen, daß Er einerseits von nichts verunreinigt werden kann, andererseits, dass auch Sein Leib lebenschaffend ist.

Als die Leute das gesehen haben, sind sie stehengeblieben. Wir wissen nicht, ob sie durch das Verhalten des Erlösers aufgebracht worden sind oder ein Trostwort von diesem „Propheten“ erwartet haben. Doch Jesus spricht jetzt nicht mehr zu den Lebenden, sondern zu dem Toten, als er sei lebendig. Dadurch zeigt er uns, dass die Seele auch nach dem Tode lebendig ist und deswegen sollen auch wir immer wieder für unsere Verstorbenen beten. Die Erweckung des Jünglings von Naïn aus dem Sarg ist auch die Erweckung eines jeden von uns aus der Lähmung der Sünde, aus Passivität und Antriebslosigkeit, aus dem spirituellen Tod infolge von Sünde. Gleichzeitig ist diese Erweckung die Wahl, zu der jeder Mensch bereits in seiner Jugend finden soll: zu wahrem Leben in Gott aufzuerstehen, wodurch man den Sinn und die Erfüllung seines Lebens findet.

Nach seiner Auferweckung hat der junge Mann zu sprechen begonnen. Die Kommunikation ist hier ein Zeichen der Auferstehung, weil sie eine Eigenschaft der Kommunion ist, die uns Menschen von Tieren und Leblosem unterscheidet. Nur wenn er die Sünde nicht mehr vollbringt und zu wahrem Leben in Christus auferstanden ist, kann der Mensch in Wahrheit mit anderen kommunizieren. Nur dann kann er zurück zu seiner Mutter kommen, d.h. in jene Welt kommen, für die er geboren wurde und wo er erst ab jetzt wirklich zu leben vermag.

Wenn der Mensch es schafft, aus Sünde aufzuerstehen, werden die anderen die Kraft Gottes und Sein Tun in der Welt erkennen. Dann werden sie sich freuen und sagen: „Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten. Gott hat sich seines Volkes angenommen.“

Liebe rechtgläubige Christen,

der Mensch hat große Angst vor Tod und Leid. Wir alle werden schließlich diese letzte Prüfung bestehen müssen: den Tod. Alle sind mit dem Tode konfrontiert worden, auch Christus, unser Herr. Keiner ist jemals dem Tode entflohen oder wird ihm noch entfliehen. Aber jeder nimmt den Tod auf andere Weise wahr. Obwohl öfters gesagt worden ist, dass der Tod etwas Natürliches sei, erscheint dies wenig glaubhaft. Der Tod ist nichts Natürliches, sondern durch die Sünde brutal in diese Welt eingebrochen. Nachdem Adam gesündigt hatte, durfte er nicht mehr vom Baum des Lebens essen, um nicht auf ewig im Tod zu bleiben. Von da an blieb der Tod in der Welt, um den Teufelskreis der Sünde zu unterbrechen. Weil sie anormal und unnatürlich ist, nicht vom Gott geschaffen, soll die Sünde nicht mehr existieren. Deswegen kommt der Tod, um den Sündenkreislauf zu unterbrechen. Somit wird der Tod als Segnung angesehen, als etwas Positives in einer von Sünde beherrschten Welt. Der Tod setzt dem Anormalen und Bösen ein Ende. Der unlogische Tod kommt in die Welt, um die ebenfalls unlogische Sünde zu vernichten. Durch diesen negativen Mechanismus werden diese zwei unlogischen Realitäten Tod und Sünde einander vernichten.

Das Reich Gottes ist aber etwas anderes. Das Gute, weil von Gott, bleibt auf ewig und der Tod hat keine Macht darüber. Das Leben im Reich Gottes ist nicht Wettbewerb und Konsum, wo etwas vernichtet wird, um dadurch etwas anderes am Leben zu halten. Es ist nicht Egoismus und Konsum in Einsamkeit, sondern Kommunikation und Teilhabe in Liebe und Gemeinschaft. Wie Vater Dumitru Staniloae sagte: „Obwohl der Tod eine Folge der Sünde ist, hat er im Christentum eine positive Konnotation behalten, weil Christus uns dadurch zur wahren Kommunion mit Gott bzw. zur Vervollkommnung unseres Leben bringen wird.“ Wenn der Christ mit Christus sich vereint, wird er der Sünde sterben und durch den „natürlichen“ Tod, in das wahre und sündlose Leben geboren werden.

Gott helfe uns, dass wir alle aus dem Tod der Sünde auferstehen und unser Wollen und Wünschen immer wieder im neuen Leben durch Christus in der Kirche verjüngen und beleben. So werden wir den Willen Gottes in die Tat umsetzen und allen Freude bereiten, zum Ruhme der Hl. Dreifaltigkeit und zu unserem Heile. Amen.

© 2015 Priestermönch Athanasios Ulea

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