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© Gabriela Mihaita David

© Gabriela Mihaita David

Mt. 6,22-33

– sich auf Gottes Willen zu verlassen-

Liebe Geschwister in Christus,

das heute gelesene Evangelium ist das Evangelium des 3. Sonntages nach Pfingsten. Zu Pfingsten sahen wir, dass das Ziel des Lebens der Empfang des Heiligen Geistes ist. Der Hl. Geist wohnt vollkommen in allen Heiligen, die wir an den letzten zwei Sonntagen gefeiert haben. Und heute wird uns eines der wichtigsten Mittel gezeigt, um den Hl. Geist zu erwerben, und zwar sich auf Gottes Willen zu verlassen.

Zuerst spricht das heutige Evangelium über das Licht. Unser Erlöser Jesus Christus sagt (V22): „Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein!“

Das Auge als eine Leuchte zu betrachten, bedeutet natürlich, dass der ganze Körper die umgebende Realität durch die Augen wahrnimmt. Daher ist diese Er­leuchtung nicht eine körperliche, sondern eine geistliche, spirituelle Er­leuch­tung. In diesem Sinne kann das Auge sauber oder schmutzig sei. Ein erkranktes Auge kann die Realität nicht mehr richtig wahrnehmen und ohne Brille oder andere unterstützende Hilfsmittel wird seine Sichtweise unklar oder un­voll­ständig oder verzerrt sein. Und das geschieht auch mit den geistlichen Augen, das heißt mit dem Verständnis, das die Seele erleuchtet. Wie durch das Auge, der ganze Mensch in Kontakt mit der Außenwelt kommt und Informationen erhält, die für sein Leben von entscheidender Bedeutung sind, so ist es auch auf der geistigen Ebene. Durch sein Verständnis wird der Mensch mehr oder weniger verstehen, was in der Welt geschieht.

Aber dieses Verständnis läßt sich weiter ausbilden. Ein Kind wird seine Umwelt stufenweise kennen und wahrnehmen. Es wird zuerst zwischen Farben unterscheiden, dann zwischen Formen und schließlich sogar in Gesichtern seiner Mitmenschen Gefühle lesen. Ebenso geschieht es auch im geistlichen Wachstum: wenn wir geistig wachsen, verstehen wir mehr und mehr die geistige Wirklichkeit, die uns umgibt, die aber oft ungesehen bleibt.

Ein Unbedarfter wird auf einem Röntgenbild nur weiße und graue Formen und Linien sehen. Ein guter Radiologe wird aber aufgrund seiner Ausbildung und seiner Erfahrung das Verständnis haben und das Normale erkennen und von einem Krebs, Lungenentzündung oder Bronchitis unterscheiden können. Ebenso sollen wir uns auch in unserem geistlichen Leben weiterbilden. Ständiges Lernen aus persönlichen Erfahrungen und aus dem Gebet führen nach und nach zur Erkenntnis. Nur so wird jemand in der Lage zu sein, das wahre Leben und spirituelle Realität zu sehen und zu verstehen. Nur dann können wir wirklich sagen, dass wir nicht in der Dunkelheit sind.

Durch diese Erleuchtung, die wir durch spirituelles Wachstum erhalten, werden wir verstehen, dass wir jederzeit zwischen Gut und Böse wählen müssen. Nur durch diese Erleuchtung werden wir verstehen, dass all unser Handeln entweder einen positiven oder einen negativen Wert hat. Daher sagt der Heiland weiter (V24): „Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“

Wenn wir Gutes tun, tun wir den Willen Gottes, dienen wir Ihm in der Wahrheit. Aber jedes Mal, wenn wir etwas Falsches machen, wenn wir die Sünde üben, d.h. etwas tun, was vor Gott schlecht ist, dienen wir dem Teufel. Dieser Teufel hat viele Namen und seine Namen kommen von den Untaten, die er tut: „Teufel“ bedeutet beispielsweise „Verleumder“, „Satan“ bedeutet „Wi­der­sacher, Gegner“, „Mammon“ bedeutet „egoistisches Hängen an dieser Welt oder ihren Reichtümern“. Das Vaterunser-Gebet wiederum bezeichnet den Teu­fel ein­fach als „böse“. All diese Namen benennen die Aktivitäten des Teu­fels und der­jenigen, die ihm folgen. Daher will der Heiland uns sen­si­bi­li­sie­ren und uns zei­gen, dass es nicht gleich ist, was wir tun, sondern durch jede Tat erfüllen wir entweder den Willen Gottes oder anderenfalls den des Teufels. Und deswegen sollten wir uns oft fragen: „Tue ich jetzt Gottes Willen?“ Und wenn das nicht klar ist, dann: „Wessen Willen tue ich?“

Unser Heiland empfiehlt uns, jedes Denken und Handeln auf Gott zu beziehen. Deshalb sagt Er (V25): „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ Natürlich empfiehlt Er nicht Faulheit und Untätigkeit. Jeder muss weiterhin arbeiten, jedoch ohne unnötige weitere Sorgen. Dächten wir nur an Probleme oder Schwierigkeiten, so könnten wir nichts mehr schaffen, weil alles aussichtslos erschiene. Deswegen ermahnt der Erretter uns, den Willen Gottes geschehen zu lassen, weil er das Beste für jeden gewährleistet. Heutzutage wird man aufgefordert, für alles eine Versicherung abzuschließen, weil man den ständigen Beistand Gottes vergessen hat.

Weiter heißt es (V32): „Nach dem allen trachten die Heiden.“ Das bedeutet, dass nur diejenigen Menschen das Spirituelle vergessen, die Gott nicht kennen, die Ihn nicht als Schöpfer und Schutzherrn der Welt erkannt haben, sondern sich nur um die ma­teriellen weltlichen Angelegenheiten kümmern. Deshalb finden diese Men­schen keine Ruhe. Nichts Materielles, weder Haus noch Auto noch ein sicherer Ar­beitsplatz, werden dem Menschen Frieden oder Vollkommenheit geben. Na­türlich soll der Mensch für all dies arbeiten, soll sich um seine Nahrung und Wohnen kümmern. Aber nicht mehr als nötig, nicht zu Lasten der Beziehung zu anderen und zu Gott. Gerade „euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft“ (V32). Immer, wenn der Mensch nicht mit Gott ist, wird etwas fehlen. Nur durch die Vereinigung mit Gott durch andere Menschen findet der Mensch seine wahre Erfüllung. Man darf sich um das Materielle sorgen, aber nicht mehr als nötig, nicht zur Vernachlässigung der familiären Beziehungen oder der Beziehungen zu den Mitmenschen oder zu Gott.

„Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (V33) Das bedeutet, dass man die Welt nur im Trachten nach Gott, dem Schöpfer der Welt, erben und alles Weltliche genießen kann. Wir sollen nur die Prioritäten setzen, um nicht aufgrund von Nichtigkeiten das Wichtigste zu verlieren.

Liebe Geschwister im Christus,

Vater Simeon Kraiopoulos sagt: „Laß ab von denjenigen, die du ersehnst und folge Christus und du wirst alles empfangen, wonach du eigentlich Sehnsucht gehabt hast, was unendlich besser und wahrer ist, als du wolltest. Und überdies wirst du auch das Heil bekommen.“ Das ist nicht nur etwas für Mönche oder Nonnen. Sondern überall, in Familie und in der Welt, ohne die Familie aufzugeben oder seine Arbeit oder Stellung zu verlassen, soll man seine Prioritäten setzen und als höchstes Ziel die Vereinigung mit Gott durch die anderen zu haben.

Probleme werden immer wieder auftreten und auch Ohnmacht wird es geben. Aber wenn wir mit Gott sind, können wir alles überwinden. Unser Heiland sagte uns nicht, dass wir keine Probleme mehr haben würden. Aber Er sagte uns, dass wenn wir Ihm folgen, wir alles überwinden werden (Joh 16,33): „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“

Gott helfe uns und gebe uns das wahre Verständnis, das unser Leben er­leuch­ten wird und zeige uns, dass wir nur durch ein Leben in Christus alles be­kommen werden, was unser Herz begehrt. Nur durch Ihn werden wir unsere wah­re Zufriedenheit bekommen, zur Ehre Allerhöchsten Dreifaltigkeit und zum Heile aller. Amen.

© Priestermönch Athanasie Ulea

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